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Dienstag, 29. Mai 2012

Vom deutschen Wesen

"Anke Engelke hat den Song Contest gerettet. Schwärmt heute die deutsche Presse. "Danke Anke!", lautet die Schlagzeile.  Und Deutschland feiert sich mal wieder selbst.1"
Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn die Welt am deutschen Wesen genesen würde. Die Deutschen haben, ob sie wollen oder nicht, eine natürliche Vorbildfunktion infolge ihrer unglaublichen Produktivität. Die anderen Völker darauf hinzuweisen, selber in die Hände zu spucken, statt nach deutschem Geld zu schielen, ist nicht das, was ich bemängeln würde.2

Engelke und Konsorten stehen im Kontext von etwas anderen, etwas was man als "Totalitarismus" versteht: Die totale Politisierung alles Unpolitischen. So darf Gesang nicht mehr Gesang und Fußball nicht mehr Fußball sein. Wichtiger als der Inhalt wird die äußere Form, dass politisch Korrekte zum Wesen der Sache an sich erklärt. Singen darf man, aber nur, wenn es der "Freiheit und Demokratie" dient.

Die Ostdeutschen kennen das aus der DDR. Dort gab es nichts unpolitisches. Dort gab es nur "Frieden und Sozialismus", nichts dazwischen. Entweder war man dafür oder ein Staatsfeind. Heuer heißen die Zauberworte "Freiheit und Demokratie". Die Begriffe haben sich geändert, das System nicht. Nur ist es nicht typisch "deutsch", wie Lichtschlag meint. Es kommt eher aus einer Ecke, die mit dem Deutschtum fremdelt. Es deutlicher zu formulieren, untersagt mir die Etikette der politischen Korrektheit.

Typisch deutsch zum Beispiel ist das Wörtchen "Gemütlichkeit", ein Wort, was in keiner anderen Sprache vorkommt und für das Fremdvölker sogar einen eigenen WIKIPEDIA-Eintrag brauchen, um den Begriff ihrem Publikum umständlich zu erklären. Mit deutscher "Gemütlichkeit" können Engelke und ihre Gesinnungsfreunde wenig anfangen. Kapitalismus, so beginne ich heute zu begreifen, ist nur eine Steigerungsform des gewöhnlichen Sozialismus.
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(1) Deutsche Eurovisionen: Fremdschämen mit Anke Engelke; eigentümlich frei
(2) Man sollte genau hinhören: Lichtschlag empfindet "Fremdscham", wenn eine Deutsche andere Völker belehrt. Es ist die Frage, ob diese Scham unabhängig vom Inhalt der Ansprache ist oder nicht.

Kommentare:

  1. Ich halte es aber schon für fraglich, ob das deutsche Wesen dem Wesen anderer Völker angemessen ist. _Können_ die Franzosen, die Polen, die Griechen denn werden wie die Deutschen? Würde ein solches Bemühen nicht ihrem volklichen Charakter zuwiderlaufen?

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  2. Ja, würde es. Habe ich einen Zweifel gelassen, das dies so wäre?

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